Was ist serverseitiges Tracking?

Serverseitiges Tracking bezeichnet den Ansatz, Tracking-Code auf Servern auszuführen. Klingt einfach, doch warum reden aktuell so viele darüber?

Google hat am 4. Januar 2024 damit begonnen, in Chrome Third-Party Cookies zu beschränken. Zunächst sind zwar nur 1% der Chrome-Nutzer betroffen, im 3. Quartal 2024 werden es dann schon alle sein. Noch immer verwenden Marketingdienste und Analytics-Tools Third-Party Cookies für die Benutzererkennung. Sobald diese aber wegfallen, sind entsprechende Probleme vorprogrammiert.

Die Änderung bei Google Chrome ist aber bei weitem nicht das einzige Problem. Bereits seit einigen Jahren häufen sich Komplikationen beim Tracking:

  • Privacy Features in Browsern beschränken die Datenqualität und -quantität (bspw. Tracking Prevention in Safari)
  • Gleiches gilt für Betriebssysteme von Smartphones (bspw. App Tracking Transparency Framework in iOS)
  • Ad Blocker werden beliebter und limitieren teilweise auch die Erfassung von Daten
  • ePrivacy und DSGVO sorgen für rechtliche Risiken und Ungewissheiten
  • Tracking-Setups und Datenverwendung werden komplexer
  • Endnutzer werden sensibler für das Thema Datenschutz

Die Aussichten für die Zukunft sind nicht besser. Apple und Google entwickeln aktuell verschiedene Tracking- und Privacy-Features. In der Folge sollte es zu einer weiteren Aufspaltung des Ökosystems führen.

Für all diese Themen kann serverseitiges Tracking eine Antwort sein. Wir wollen daher in diesem Artikel aufzeigen:

Was ist der Unterschied zwischen client- und serverseitigem Tracking?

Clientseite und Serverseite sind Begriffe, die angeben, wo Code ausgeführt wird. Im Kontext des Trackings handelt es sich dabei um Code zur Datenerfassung und -weiterleitung.

Was ist clientseitiges Tracking?

Hierbei handelt es sich um den herkömmlichen und etablierten Ansatz des Trackings. Der Client übernimmt alle relevanten Aufgaben. Bei einem Client kann es sich bspw. um einen Browser oder eine App handeln.

Schema des clientseitigen Trackings

Sobald der Browser eine Webseite öffnet, werden verschiedene Javascript-Codes ausgeführt. Diese sogenannten Pixels oder Tags sind für Datenaufbereitung und -übertragung verantwortlich. Abhängig von der Anzahl dieser Tags wird eine Vielzahl von Code geladen und ausgeführt. Das gleiche gilt für die so entstehenden Datenströme, die zwar alle ähnlich, aber doch verschieden sind. Die Daten landen so bei Google Analytics, Meta und jedem anderen integrierten Dienst.

Folglich ist der Client für den gesamten Prozess verantwortlich. Er sammelt die Daten, prozessiert sie und überträgt sie zu externen Servern.

Was ist serverseitiges Tracking?

In diesem Ansatz übernimmt ein Server die Verarbeitung und Übermittlung der Daten. Auf dem Server läuft eine spezielle Software, die eigens für diese Zwecke entwickelt wurde. Für jeden Dienst, der Daten erhalten soll, wird eine Integration hinterlegt. Sobald relevante Daten für den Dienst beim Server eintreffen, wird der Code ausgeführt.

Schema des serverseitigen Trackings

Die Datenquellen für den Tracking-Server können vielfältig sein. Neben dem Client kann dies das eigene Backend (bspw. Shopsystem) oder auch externe Dienste (bspw. Payment Provider) sein. Darüber hinaus besteht oftmals die Möglichkeit, die eintreffenden Daten anzureichern. Dies kann bspw. über eine Datenbankabfrage oder eine API erfolgen.

Für die Datenentstehung sind daher verschiedene Quellen verantwortlich. Die Verarbeitung und Übertragung der Daten erfolgt aber an einem zentralen Ort.

Welche Vorteile bietet serverseitiges Tracking?

Auch serverseitiges Tracking ist keine Eierlegende Wollmilchsau. Der Ansatz hat verschiedene Vor- und Nachteile, die es vor einem Einsatz zu beachten gilt.

Vorteile des serverseitigen Trackings

  • mehr Daten werden erfasst, da Tracking Einschränkungen reduziert werden können
  • Daten können mit (sensiblen) Informationen angereichert werden
  • vollständige Kontrolle über Datenflüsse
  • Tracking ist ohne Cookies und personenbezogene Daten möglich
  • mögliche Verbesserung des Datenschutzes und der Sicherheit
  • die Ladezeit deiner Webseite wird verbessert

Nachteile des serverseitigen Trackings

  • bestimmte Events können nicht erfasst werden (Scrollen, Anzeigen von Elementen im sichtbaren Bereich, ...)
  • erhöhte Komplexität durch zusätzliche Infrastruktur und Prozesse
  • eventuell fehlende Unterstützung für den Empfang der Daten beim Ziel (Tool, System, Dienst)
  • der Service muss 24/7 garantiert werden, da ein Ausfall der Server einen Datenverlust bedeutet
  • laufende (geringe) Kosten

Tipp

Oft gilt, dass die Vorteile des einen, die Nachteile des anderen sind. Beim Tracking ist dies nicht anders, da clientseitiges und serverseitiges in vielen Bereichen das exakte Gegenteil darstellen. Von dieser Situation kann man aber profitieren, indem man einen hybriden Ansatz verfolgt. Also beide Tracking-Methoden gleichzeitig einsetzt, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Das Setup wird somit zwar komplexer, aber auch deutlich flexibler und machtvoller. Einige Anforderungen an das Tracking können auch nur so erfüllt werden. Dies gilt insbesondere für die Ereignisse, die nur im Client erfasst werden können.

Kein Wunder also, dass die meisten unserer Kunden diesen Ansatz wählen. Ob es auch für dich der richtige Ansatz ist, kannst du entweder allein oder mit uns zusammen feststellen. Vereinbare einfach ein Gespräch mit uns, um zu erfahren, wie wir dich beraten und unterstützen können.

Wie hilft serverseitiges Tracking beim Datenschutz?

Grundlegend kann serverseitiges Tracking zu einer Verbesserung des Datenschutzes führen. Ob und wie genau ist jedoch von der genauen Ausgestaltung abhängig.

Die Kontrolle über die Datenflüsse stellt dabei das wichtigste Element dar. Moderne Javascript Codes sammeln immer selbständiger Daten. Entweder als separate Events oder indem sie manuell ausgelöste Events anreichern. Zudem erhalten die Empfänger der Daten Zugriff auf die IP-Adresse. Dies passiert ganz automatisch im Rahmen des Datenaustauschs, wodurch personenbezogene Daten verarbeitet werden. All dies lässt sich mit einer serverseitigen Implementierung umgehen. Jedes Event und jeder enthaltene Datenpunkt kann manuell festgelegt werden. Dadurch weißt du genau, wer etwas erhält.

Ein weiterer Vorteil kann bei der Nutzung von GTM Tagging Servern erzielt werden. Die notwendigen Google Skripte (bspw. vom Google Tag Manager – gtm.js) können über die eigenen Tagging-Server ausgespielt werden. Hierdurch verliert Google den Zugriff auf die IP-Adresse, was deinen Datenschützer strahlen lassen sollte.

Generell kann auch Code von Dritten auf deiner Webseite als kritisch angesehen werden. Weißt du, was all die JavaScript-Codes im Detail machen? Welche Daten automatisch erfasst werden? Welche Cookies gesetzt werden? Bei einer reinen serverseitigen Implementierung umgeht man dieses Problem komplett.

Es muss aber auch erwähnt werden, dass serverseitiges Tracking zu neuen Diensten führen kann. Diese müsse evaluiert und entsprechend in der Datenschutzerklärung aufgelistet werden. Dies kann als nachteilig bewertet werden.

Hinweis

Wie du vielleicht schon weißt, bieten wir das Hosting für GTM Tagging Server an. Als deutsche Firma war es uns wichtig, dass wir das Hosting in der EU durchführen.

Für all unsere europäischen Serverstandorte gilt daher: zu 100% EU.
Dies gilt sowohl für den physischen Standort der Server, als auch deren Betreiber.

Was muss bei der Implementierung beachtet werden?

Man kann getrost sagen, dass auch das serverseitige Tracking, nur Tracking ist. Die verwendete Software ist sehr ähnlich zu jener, die beim clientseitigen Tracking im Einsatz ist. Daher kommen auch hier Tag Management Systeme zum Einsatz. Diese haben auch weiterhin die bekannten Elemente wie Tags, Variablen und Trigger.

Der größte Unterschied liegt in den Datenquellen. Ohne diese, hat dein Tracking Server nichts zu tun. Denn anders als im clientseitigen Tracking müssen die Quellen manuell angeschlossen werden. Hierfür stehen normalerweise entsprechende Codes oder ganze SDKs zur Verfügung. Es gilt, diese in den relevanten Systemen zu implementieren. Anschließend muss die Datenquelle im Tracking Server konfiguriert werden.

Die Implementierung des serverseitigen Trackings beruht im Kern auf sechs Elementen:

  1. Architektur – soll vollständig auf serverseitiges Tracking gewechselt werden oder nur teilweise?
  2. Server – wie und wo laufen die Server?
  3. Software – welche nehme ich?
  4. Daten – welche Daten brauche ich?
  5. Datenquellen – wie kann ich meine Quellen (Webseite, App, Shop, ...) mit dem Tagging Server verbinden? Und wie stelle ich sicher, dass die relevanten Daten enthalten sind?
  6. Konfiguration – wer übernimmt das Setup im Tag Management System? Welche Dienste sollen Daten erhalten? Können diese überhaupt Daten serverseitig empfangen?

Dies führt uns zu der wichtigsten Frage: Was mache ich/wir selbst? Von einer "Do-It-Yourself" Lösung bis zu einer vollständigen Auslagerung ist alles möglich. Die Antwort auf die Frage ist immer sehr individuell. Nicht zuletzt, da sie von internen Richtlinien, vorhandener Expertise, Zeit und Geld abhängig ist. All dies hat auch Auswirkungen auf die Umsetzungsgeschwindigkeit. Von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen ist alles möglich.

Welche Systeme und Tools unterstützen serverseitiges Tracking?

Wir wollen kurz auf die wichtigsten Dienste eingehen, die serverseitiges Tracking unterstützen. Denn ohne die Unterstützung für den Empfang der Daten kann man keine Daten serverseitig übertragen. Im Vorfeld einer Umsetzung, gilt es diese Unterstützung zu überprüfen.

Analytics

  • Google Analytics
  • Piwik PRO
  • Matamo
  • Adobe Analytics
  • Heap (limitiert)
  • Mixpanel
  • Segment

Marketing

  • Google Ads
  • Meta (Facebook, Instagram, ...)
  • TikTok
  • Snap
  • Pinterest
  • Klaviyo
  • Hubspot
  • Mailchimp
  • SendGrid
  • Taboola
  • X (Twitter)

Wie man anhand der Liste sieht, werden eigentlich alle relevanten Systeme unterstützt. Und wöchentlich kommen mehr dazu. Dies liegt daran, dass die Vorteile schlicht so groß sind.

Zusammenfassung

Auch für uns ist klar: serverseitiges Tracking ist die Zukunft. Es bietet zahlreiche Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Tracking. Allein der Gewinn in der Datenqualität und -quantität zahlt sich innerhalb kürzester Zeit aus. Egal ob durch schnellere A/B-Tests oder durch eine verbesserte Werbeperformance.

Auch beim Datenschutz können bereits jetzt Vorteile realisiert werden. Und in Zukunft noch mehr. Ein Tracking ohne Cookies? Möglich! Ein Tracking ohne personenbezogene Daten? Ebenso! Ein Tracking basierend auf First-Party Daten? Ja!

Dies erfordert ein Umdenken bei den Quellen der Daten, der Datenerfassung selbst. Ja, auch das Tracking selbst muss angepasst werden, aber es lohnt sich. Eine sorgfältige Planung und Implementierung sind für den Erfolg jedoch entscheidend. Es gilt die beste Lösung zu finden, um die relevantesten Vorteile zu realisieren. Und gleichzeitig eine Lösung zu schaffen, die möglichst zukunftssicher ist.

Wenn du dabei Unterstützung brauchst, stehen wir dir gern zur Verfügung. Egal ob dich unsere Hosting-Lösung für GTM Tagging Server interessiert oder unsere umfassende Expertise. Wir freuen uns jederzeit über einen Austausch zu dem Thema. Buche einfach einen kurzen Termin mit uns, um darüber zu sprechen.

Bist du bereit für serverseitiges Tracking?

Wir unterstützen dich gern bei deiner Umsetzung. Egal ob persönlich oder durch unser Hosting-Angebot.